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BERTRAM HAID, der österreichische Cartoonist, im Interview (by Martha Bell)

Der Cartoonist, Bertram Haid, wurde am 9.8.1964 in Innsbruck geboren.
Nach Abschluss der Bürokaufmannlehre arbeitete er als Sachbearbeiter in der Sozialversicherung. Nebenberuflich versuchte er sich zunächst als Journalist, indem er für Jugendzeitungen prominente Künstler interviewte. Später wechselte er die Fronten und war ein paar Jahre Texter und Frontman der Deutschrap-Band „Die Besten aus dem Westen.“
Kommerziell erfolgreich wurde allerdings erst seine Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Elias Schneitter. Gemeinsam gründeten sie 1998 das Cartoonprojekt BAES., welches seither cirka 500 Cartoons in diversen Printmedien veröffentlichen konnte.2007 hängte er seinen Versicherungsjob an den Nagel und begann, für Ö3 Comedybeiträge zu schreiben. Neuerdings ist er auch für die österreichische Late-Night-Show „Willkommen Österreich“ als Gagschreiber tätig.
Der Künstler lebt heute in Innsbruck, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Zum Comic zeichnen bist du über Umwege gekommen. Hattest du vorher einfach kein Interesse am Zeichnen oder schlummerte dein Talent noch im Verborgenen?

Als Kind habe ich extrem gerne gezeichnet. Danach kaum noch, weil andere künstlerische Interessen wie die Liebe zur Musik und vor allem zum Schreiben meine ganze Kreativiät vereinnahmt hatten.

Wie reagierte dein Umfeld auf dein nicht sehr konventionelles Leben. Bestätigte dich die Reaktion deiner Eltern und deiner Freunde oder musstest du viel Überzeugungsarbeit leisten?

Ich muss da was richtig stellen: Ich fing als Fünfzehmjähriger eine Lehre als Bürokaufmann in der Tiroler Gebietskrankenkasse an und blieb dort beachtliche 28 Jahre. Ich ging davon aus, eines Tages als Sachbearbeiter in Pension zu gehen Meine künstlerischen Tätigkeiten erledigte ich sozusagen nebenberuflich. Im Laufe der Jahre wurde mir aber immer klarer, dass mir das zu wenig war. Ich wurde immer frustrierter und schließlich richtiggehend krank, was mich im letzten April von heute auf morgen dazu veranlasste, nicht mehr ins Büro zu gehen. Meine Frau und die Kinder (16 und 19 Jahre alt) waren anfangs zwar sprachlos, aber niemand konnte mich mehr von meinem Entschluss abbringen. In diesen Tagen meldete ich mich bei den Leuten vom Ö3-Wecker, die kurz darauf meine Gags brachten und mich als Gagschreiber auch den Herren Grissemann/Stermann und deren Sendung „Willlkommen Österreich“ empfahlen. Seitdem lebe ich ein neues, unsicheres aber ungleich spannenderes Leben als jemals zuvor.

Im Moment liegt deine Hauptbetätigung beim Texten und Gagschreiben, unter anderem für Ö 3. Wo bekommst du deine Ideen her? Liefert die dir deine Umwelt oder entstammt vieles aus deinen eigenen Erlebnissen?

Bei Ö3 und bei Grissemann/Stermann ergeben sich die Themen aus der Aktualität. Dann ist nur noch wichtig, die Klischees der Themen möglichst witzig zu formulieren. Aus Erfahrung weiß ich, dass es mir nichts bringt, extrem konzentriert über den Themen zu brüten. Das verursacht mir nur Kopfweh. Besser ist es, so locker und aus dem Bauch heraus wie möglich an die Sache heranzugehen.

1990 stiegst du aktiv ins Musikgeschäft ein. Im Moment liegen deine künstlerischen Ambitionen aber woanders. Vermisst du das Musikgeschäft oder ist dies ein Kapitel deines Lebens das abgeschlossen ist?

Gute Frage! Ich mag Musik nach wie vor extrem gern. Sie kann mich praktisch in jeden Zustand versetzen, in den ich versetzt werden möchte. Leider hatte ich von der Musik genau zu dem Zeitpunkt das allerwenigste, als ich mich aktiv damit beschäftigt hatte. Ich analysierte damals jedes Lied, das ich irgendwo hörte; es war mir nicht mehr möglich, die Musik passiv zu genießen. Man kann sagen, dass die Musik für mich ihren Zauber verloren hatte, weil ich ihr in die Karten geschaut hatte. Dazu kommt, dass es so extrem aufwändig ist, im Musikgeschäft Fuß zu fassen. Es dauert ewig, bis mal eine CD heraußen ist und dann geht die Arbeit aber erst richtig los. Kurz gesagt: Für mich ist dieses Kapitel definitiv abgeschlossen.

Du hast unter anderem ein Buch mit dem Titel „Tirolkamasutra“ geschrieben. Verrate uns wie es dazu kam.

Helmuth Schönauer ist ein wegen seiner provokanten Bücher umstrittener Tiroler Schriftsteller. Eines Tages schrieb er mir ein Mail. Er bat mich, für sein Buch „Tirol Kamasutra – Die 100 Stellungen der Tiroler“ Zeichnungen anzufertigen. Ich kenne ihn schon seit Jahren, also habe ich gerne zugesagt. Seit diesem Buch weiß die Menschheit, was wir Tiroler tatsächlich so alles in unseren Betten treiben und welche Sexstellungen es nur in unserem Land gibt – Offenbarungen, die meiner Meinung nach viel zu lange unentdeckt geblieben waren. Die Buchpräsentation erfolgte übrigens standesgemäß in einer Innsbrucker Beate Uhse – Filiale!

Eigentlich bist du ein Multitalent. Gibt es noch Projekt die du verwirklichen möchtest? Was schwebt dir noch vor?

Danke für die Bezeichnung „Multitalent“! Sie ist allerdings viel zu weit hergeholt. Ich habe zwar schon so manche Sachen ausprobiert, aber alles mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Heute kann ich sagen, dass ich im Grunde sowas bin wie ein „Witzeerfinder“. Damit begnüge ich mich. Auf diesem Gebiet hätte ich zwar noch einiges vor – Gags für NOCH größere Stars schreiben, Cartoons für NOCH größere Zeitungen zeichnen – aber ich habe mittlerweile gelernt, dass Planen Zeitverschwendung ist. Alles was ich mir fest vorgenommen hatte, ist nicht passiert, dafür ist genau das gekommen, was ich niemals ernsthaft angestrebt hatte. Ich nehme mir deshalb vor, alles was kommt, mit größtmöglicher Gelassenheit anzunehmen.

Wie schätzt du die heutige Generation der jungen Künstler ein. Haben sie eine Chance sich selbst zu verwirklichen und sich in derheutigen Zeit Gehör zu verschaffen?

Ich finde, junge Künstler haben es heutzutage leichter, sich zu verwirklichen. Früher war man darauf angewiesen entdeckt zu werden und sich ein Image verpassen zu lassen. Heute kann sich jeder im Internet so darstellen wie er will und seine Sachen selber unters Volk bringen. Das mit dem Gehör verschaffen ist allerdings ein Problem, denn wer ist heutzutage schon ein Star, wenn eh schon fast jeder zweite einer ist? Ich denke, Andy Warhol hatte leider recht als er sagte, dass jeder Mensch in der Zukunft mal für 15 Minuten ein Star sein wird.

Kannst du beurteilen was dich zu dem gemacht hat wer du heute bist. Wer war dein Mentor und Begleiter?

Mein Kumpel Elias Schneitter, in Tirol ein recht bekannter Schriftsteller, war mein Mentor. Im Juni 1998 wollte er eine Schnapsflasche verschenken, aber mit einem persönlichen Etikett. Da er nicht zeichnen kann, fragte er mich. Ich kritzelte ihm ein besseres Strichmännchen und er war begeistert. Spontan planten wir daher, dass ich in den nächsten Wochen irgendetwas zeichnen und er dann einen Text darunter schreiben sollte. Wenn wir eine Handvoll solcher Werke beisammen hatten, so unser Plan, wollten wir sie binden lassen und sie unseren Lieben zu Weihnachten schenken. Nach cirka zwanzig Blättern fassten wir den Mut, sie dem damaligen Chefredakteur der Innsbrucker Zeitung TIP zu zeigen. Die Auflage war um die 70.000 Exemplare. Der Chefredakteur sah sich alles kurz an und sagte, okay, ihr seid dabei, pro Zeichnung kriegt ihr auch ein Honorar. Er hat Wort gehalten. Drei Jahre lang erschienen unsere Cartoons nonstop im TIP, seither publizierten wir über 500 Zeichnungen in allen möglichen Medien..

Das mbr:points Erfolgsteam martha bell, Bernd Gratzl und Roland Kobald bedankt sich für das Interview!
10/3/2008

 
Tiroler Woche - 9. Feber 2007
 
TIP, 13. August 2004
 
Tiroler Tageszeitung, 23. Feber 2004, anlässlich der BAES-Ausstellung im Cafe Munding in Innsbruck
 
 
Wirtschaft im Alpenraum, Oktober/November 2002
 
Das NEUE BAES-Buch "TIROL IST NUR EINES"

Tiroler Tageszeitung, 28. März 2002 TIP, 10. Mai 2002
 
Wirtschaft im Alpenraum, März 2002
 
Tiroler Tageszeitung, 5. Mai 2002


Bertram Haid / Elias Schneitter: Tirol ist nur eines.
Vom Andreas zum Hofer. Literatur und Cartoons.
Innsbruck: Edition BAES 2002. 131 Seiten. Euro 12,00.
ISBN 3-9500933-1-1

Wenn man als Beobachter der Literatur zu lange in einschlägigen Feuilletons unterwegs ist, vergißt man mit der Zeit, daß Literatur auch etwas äußerst Fetziges, Lustiges und Anarchistisches sein kann.
Das Duo BAES produziert seit einigen Jahren für diverse Zeitungen Westösterreichs sogenannte literarische Cartoons, das sind "literarische Fundstücke mit bildlicher Auflösung", wie es in einem Selbstkommentar heißt.
Der Band "Tirol ist nur eines" beginnt mit einer Entschuldigung, die an diverse germanistische Arbeiten erinnert. Das Thema sei dermaßen unbefleckt und gigantisch, daß das Projekt zum Scheitern verurteilt sei, aber ein bißchen Genuß könnte sich für den Leser ausgehen, denn es geht schließlich um Tirol.
Der Titel des schrägen Heimatbuches bezieht sich auf die heimliche Landeshymne, die zu allen unmöglichen Anlässen gekehlt und geträllert wird, und wo der Klang "Tirol isch lei oans" am Schluß wie der Dialektausdruck für After gesungen wird.
Der Heimatmythos, seine Verhunzung und illegale Repräsentation nennt sich bei BAES eine "Hommage in fünf Kapiteln".
Unter den Headlines: Harte Schale, harter Kern; Das Kreuz mit der Kirche; Kernige Knödelkultur; Große Töchter große Söhne und Tourismuspläne wird kompetent in einer scheinbar fachlich aufgemotzten Sprache all das abgehandelt, was in Heimatbroschüren, Tagespressen und diversen Stammtischen im Laufe eines Saison anfällt. Und Tirol hat immer Saison, weshalb auch genügend Stoff für die Literatur und das Leben im Land vorhanden ist.
Zur Schnell-Erbauung und für Leser mit nur einem einzigen Blick gibt es Cartoons, die sich etwa der Kunst im Gebirge annehmen, und zwischendurch alles verhüllen, was Christo aus Zeitmangel noch nicht verpackt hat (Christo verhüllt Peinlichkeiten).
Für Leser mit einem zweiten Blick sind literarische Texte abgedruckt, die einerseits in einsame Zwergdialoge der reduzierten Illuminationsart münden, anderseits eine Rhetorik des großen Pathos anschlagen und dabei mittendrin entgleisen.
In ihrer erzählenden Didaktik erinnern die Texte an Alexander Kluge, reale Schicksalsschläge werden probehalber zu einer Theorie des Schicksals aufgeweitet, punktuelle Anlässe zu einer kollektiven Fläche des Erlebens aufgeschüttet.
Die einzelnen Stories sind jeweils mit heftig übertriebener Schlagzeile und sattem Eingangskommentar in Fettdruck ausgestattet, ein patriotisches Über-Ich versucht, die unerhörten Begebenheiten zu ordnen und für den Leser aufzubereiten. Und im Zweifelsfalle kommt der sogenannte Volksmund zu Wort, der bekanntlich Tag und Nacht die wahren Geschichten aus dem Leben erzählt.
Von Andreas zum Hofer ist eine Sammlung von makaberen Realitäten, die schon durch ihre Verknüpfung jede gängige literarische Einordnung sprengen. Der Freiheitsheld Andreas Hofer wird ironisch beäugt, dann wird es Zeit für einen kleinen Einkauf von Geschichten und das sogenannte Hofer-Sackl erweist sich als guter Beutel, in dem der Trash verstaut werden kann. Die Benützung des Logos des Hofer Marktes wurde übrigens auf skurrile Art von diesem bewilligt, auch das ist schon eine Literaturgeschichte der höheren Art.
Der Eindruck nach dieser Lektüre ist nachhaltig: Hier spielt sich etwas Fetziges, Lustiges und Anarchistisches ab. So sollte Literatur öfters sein!

BAES sind Betram Haid (Cartoons) und Elias Schneitter (Storys); BAES leben zurückgezogen in Innsbruck und Umgebung und sind jederzeit erreichbar unter: www.a2on.com/baes

Helmuth Schönauer 10/02/02

 
POMMES - Eine Story 
Helmut Schönauer
aus Blickpunkt vom 4. 12. 1998
 
BAES - Aufgekocht
aus TIP vom 18. 1. 2002

ein Klick auf das Bild vermittelt tiefere Einblicke in die Kockhkünste von BAES

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baes@tirol.com